Ordnung ist das halbe Leben - Umgebung und Gedanken
- 8. März
- 6 Min. Lesezeit

Als ich mit 19 mit meinem Freund die erste gemeinsame und auch die erste Wohnung überhaupt bezog, meinten es alle gut mit uns, so dass wir uns in einer absolut vollgestopften Wonung wiederfanden. Alles doppelt und dreifach, viel zu viele Möbel. Wer braucht schon drei Schreibtische? Es war das blanke Chaos und es dauerte eine ganze Weile bis ich verstand, dass dieses Chaos das Chaos in meinem Kopf entfachte. Und dann habe ich angefangen mich zu lösen, zu selektieren und loszulassen. Wenn man mitten in diesen Dingen steht, dann scheint es unmöglich Herr über das ganze zu werden und man resigniert. Ich verstehe das, aber es ist ein Prozess und das ist auch gut so. Veränderung brauchen Zeit nicht nur äußerlich, sondern auch im Inneren und man sollte sich selbst die Zeit geben zu soriteren und loszulassen.
In diesem Beitrag möchte ich meine Erfahrungen teilen und dir den Weg ebnen, falls du dich in deinem Chaos umschaust und die Resignation sich wie eine große schwere Katze auf deine Brust zu legen droht. Schau was für dich funktioniert oder passe es deinen Bedürfnissen an. Los geht´s!
Kleine Schritte - langfristige Ordnung
Ich neige dazu absolut motiviert und voller Energie zu starten und so in der Mitte, wenn es am schlimmsten aussieht, geht mir die Puste aus, die Stimmung kippt und dann wird aufgegeben. Unter dem Motto "Jeden Tag ein kleines Stückchen" habe ich angefangen. Mach das wofür du gerade Zeit und Lust hast. Es kann der Schuhschrank sein, der vollgestopfte TV-Unterschrank, der zugemüllte Schreibtisch oder die allgegenwärige Müllschublade, wo alles reinkommt was nicht eingeordnet werden kann. Es kann auch ein wacher Blick durch die Wohnung sein. Wo sind die Staubmagneten, bereitet mir das noch genug Freude, dass ich es für das Staubwischen anhebe? In meiner Kindheit hatten meine Eltern einen Wandschrank mit unzähligen offenen Regalen die natürlich mit irgendwelchem Dekomüll vorgestopft waren. Mein persönliches Hassobjekt, weil ich am Aufräumtag für das ganze Zimmer zuständig war. So viel Lebenszeit habe ich dieser Schrankwand geschenkt. Mach nicht denselben Fehler. Genieße die Genugtuung wenn du eine volle Tüte voller Krimskrams an die Eingangstür stellst. Du wirst merken, dass bereits das ausreicht, um dich für den nächsten Tag zu motivieren und langfristig auch für große Projekte.
Verkaufen und verschenken
Mein größtes Problem war, dass mir das Herz blutete beim Aussortieren, weil ich oft dachte die Sachen sind zu gut zum Entsorgen. Sind sie auch, also warum nicht anderen eine Freude damit machen. Frage dich bei den Sachen, wer davon vielleicht einen Mehrwert hätte oder frag das allwissende Internet. Ich hatte z.B. zig grauenvolle Bettwäschesets und Handtüchen aussortiert und diese dann beim Tierheim agegeben. Alte Klamotten kann man bei einigen nahmenhaften Firmen abgeben und bekommt Prozente auf den nächsten Einkauf. Man kann aber auch z.B. bei sozialen Trägern nachfragen, ob da Bedarf besteht. Viele Sachen habe ich abfotografiert, in mein WhatsApp Status gestellt und Freunden und Bekannten gegeben. Bei einigen Sachen lohnt es sich diese abzufotografieren und Zeit für den Verkauf zu investriesten, Ein Großteil meines Bücherregals, und ich bin eine passionierte Leserin damals noch handfestert Bücher gewesen, habe ich eingeschickt und Geld dafür bekommen. Das sind keine Umsummen, aber definitiv besser als Wegwerfen. Bei einigen Sachen habe ich offenen Karton mit der Aufschrift "zu verschenken" vor die Einfahrt gestellt und Passanten noch eine Freude machen können.
Was für mich nicht mehr von Bedeutung ist, kann anderen eine große Freude machen.
Energie und Gefühle
Keine Sorge jetzt kommt kein esoterischer Exkurs, sondern etwas das in unserer heutigen Leistungsgesellschaft oft zu kurz kommt: Das eigene Empfinden. Meine Wohnung ist mein Rückzugsort. Ich habe es nach all der Zeit nun so gestaltet, dass ich zu Ruhe kommen kann nach meinem Tag. Es ist eine Mitwohnung und es ist nicht mein geliebter Altbaustil, aber in dem mir gegebenen Rahmen habe ich es so gestaltet, dass es mir die Energie spiegelt die ich brauche, um Stille in meinem Kopf einkehren zu lassen. Jap, vor 10 Jahren hätte ich das auch belächelt, aber es wirkt tatsächtlich. Es hat gedauert und es ist viel bunte Farbe flöten gegengen, aber nun habe ich meine Farben gefunden, meine Formen und meine Kompositionen. Eigentlich habe ich eine Regel für mich festgelegt für alles was ich erwerbe und das hat den Unterschied gemacht, der bis heute nachwirkt. Bei jeder Sache schaue ich es mir erstmal an, suche in Gedanken einen Ort dafür und höre in mich hinein, ob es mich zum lächeln bringt. Dann stelle ich es wieder zurück und gehe weiter oder lass es unter den Favoriten. Und wenn ich dann an das visualisierte Bild denke und es mich erneut zum Lächeln bringt, dann kommt es mit. Umgib dich mit Sachen die dir gut tun und es kann in schweren Zeiten den Unterschied machen.
Ich hasse Haushalt
Ein ordentliches Zuhause erfordert Zeit. Zunächst die Zeit um es ordentlich zu machen, aber auch Zeit um es so ordentlich zu erhalten. Besonders mit Kind kann das zum wahren Zeitfresser mutieren. Ich habe klare Regeln eingeführt und unentbehrliche Helfer gekauft, um die Kontrolle zu behalten.
Krimskrams kommt weg. Es gibt geschlossene Schubladen mit Kisten wo das Chaos wieder ausbrechend darf und der regelmäßig beseitigt wird. Freie Flächen sind leichter sauber zu halten und ersparen Zeit beim Staubwischen.
Spielzeug gehört ins Kinderzimmer. Meine Tochter darf natürlich überall spielen, aber das Speilzeug wird abends komplet wieder von ihr eingesammeln und kommt ins Kinderzimmer.
Das Kinderzimmer muss abends ordentlich sein. Eine der härtesten Regel bei der Durchsetzung und mit vielen Tränen verbunden gewesen zu Beginn. Auch im Kinderzimmer gibt es Körbe für Kategoriern und hier darf das Chaos herrschen, aber sonst nicht.
Abends wird die Küche gemacht. Nach dem Tag und dem Dosemachen sieht die Kücke manchmal aus wir nach einem Weihnachtsessen. Es ist mir selbst schleierhaft wie das passieren kann. Aber morgens in eine unordentliche Kücke zu kommen, ist mein persönlicher Garant für einen miesen Start in den Tag.
Mein geliebter Saug- und Wischroboter ist mein absoluter Lebensretter. Ich weiß die Meinungen gehen hier auseinandern, aber lasst euch darauf ein, beschäftigt euch damit und profetiert. Man darf nicht erwarten, dass er alles perfekt macht. Er ist eine Unterstützung. Mit zwei Katern, Kind und dem normalen Leben sammelt sich einfach auf dem Boden genug an, um ihn jdenen Tag beschäftigt zu halten. Er fährt bei uns jeden Tag während wir alle unterwegs sind und wenn ich nach Hause komme, sehe ich den Unterschied. Und als leidenschaftliche Allergikerin spüre ich ihn sogar. Es ist eine Stange Geld, aber ein Roboter mit Station ist das absolut sinnvollste. Ich hatte ein Modell vorher ohne und das ist wirklich sinnlos, denn nach jedem Vorgang kümmerst du dich um dieses Ding und damit verlierst du die gesparte Zeit.
Kabelloser Staubsauger - absolutes Fangirl hier! Mein letzter Staubsauger war eine Wucht mit Schnur. Ein solides Geschenk meiner Eltern. Mit dem Ding habe ich alle Türzargen demoliert, mich tierisch aufgeregt und war stets auf der Suche nach der nächsten Steckdose. Das Kabel immer im Weg, zwischen den Füßen oder in den Reifen, führte dazu, dass ich kaum Staubsaugte und Staubmäuse durch die Wohnung liefen. Kabellos, immer aufgeladen, griffbereit eine super Basis für ein ordentlich bleibendes Zuhause.
Die Wirkung auf dich
Vielleicht fragst du dich was das ganze bringen soll, wenn du auf der Suche nach deinem Glow bist und die Frage ist berechtigt. Es fällt einem manchmal schwer sich mich sich selbst direkt 100% auseinander zu setzen. Es wirkt abschreckend und man hat keinen wirklichen Zugang, schließlich sind wird keine Psychotherapheuten. Der Umweg über deine Umgebung eröffnet dir den Raum in deine Gedanken über dein aktuelles Leben und dich selbst. Du lässt Sachen los und damit verbunden oft Glaubenssätze, Balast oder negative Gedanken. Während man sortiert, umstrukturiert und abwägt hat das Gehirn die Zeit sich parallel auch mit den eigenen Gedanken zu befassten und zwar in seinem eigenen Tempo. Es geht nicht darum am Ende des Tages die perfekte Wohnung für SocialMedia vorzuzeigen, sondern darum einen Erfolg, egal wie klein er erscheinen mag, für sich selbst zu feiern. Ich für meinen Teil gehe diese kleinen Erfolgsgeschichten immer gerne in den darauf folgenden Tagen ab und lasse es zu stolz darauf zu sein. Denn während man für sein Kind da ist, während man funktioniert, während man zweifelt gibt es wenige bewusst stolze Momente. Binde dein Kind in den Prozess ein. Kinder lernen durch zuschauen, sie werden merken wie gut es dir tut und es dir auf die ein oder andere Weise spiegeln.
Auch wenn du an einem Punkt bist, wo Veränderung unmöglich scheint, mach den ersten Schritt und dann den nächsten und gibt dir selbst die Zeit die Entwicklung in deinem eigenen Tempo zu verfolgen.










