Wenn funktionieren nicht mehr funktioniert
Es war dunkel und sie saß auf dem Sofa im Wohnzimmer. Ohne Netflix oder Handy, nur mit ihren Gedanken. Der Takt ihrer Gedanken wurde vom Ticken der Uhr angegeben. Sie ging ihre to do Listen durch. Immer wieder. Doch ein kleiner Teil fragte sich wann das passiert ist. Wann sie so geworden ist.
Als Kind war sie diejenige um die man sich keine Sorgen machen musste. Die stark war und Probleme selber löste. Doch jetzt wünscht sie sich, dass sich jemand Sorgen um sie gemacht hätte. Sie wünscht sich, dass ihr jemand die Stärke abgenommen hätte. Ihr den Raum gegeben hätte ihr Strahlen zu entdecken und zu entfalten. Und doch saß sie hier im Dunkeln alleine mit ihren Gedanken.
Sie erinnerte sich noch dunkel an ihre Wildheit, an ihr Strahlen, an ihrer Ausdauer ewig zu laufen, an ihre Phantasie als Kind. Viel präsenter sind die Maßregelungen. Zu wild, zu laut, zu viel Energie...In ihrem Kopf ergab es ein „Du bist zu viel“. Und so legte sich jeder Spruch wie eine Schuppe auf ihr Glänzen. Gelobt wurde für Zurückhaltung, für Stille, für Unsichtbarkeit, für funktionieren. Also funktionierte sie. Für jeden und alles zu jederzeit. Und Schuppe für Schuppe strahlte sie weniger.
Als sie jemanden kennen- und lieben lernte, wollte sie leuchten. Sie wollte alles geben und das schloss ihr Leuchten mit ein. Doch es ging nicht um sie. Ihr Part blieb beim Funktionieren, beim Probleme lösen, bei der Stärke. Die Worte des Geliebten fanden ihre Weg zu den fehlenden Schuppen und schlossen die Lücken. Und sie sah es nicht. Er liebte sie, er musste Recht haben. Also gab sie ihr Schreien auf, ihre Empörung, ihre Versuche gesehen zu werden und funktionierte. Sie wurde bequem, sie wurde still, sie wurde kalt. Der Panzer wurde undurchdringlich. So wie ihr Strahlen nach außen verschwand blieb im Innern nichts als Dunkelheit. Doch Dunkelheit wird nicht gerne gesehen. Über Dunkelheit wird nicht gesprochen. Also lächelte sie, ohne dass es ihr Herz erreichte. Traf sich mit Freunden und Familie, hielt sich zurück und lächelte. Bis auch das falsche Lächeln verschwand. Bis das Leben ein Sammelbuch aus To-do-Listen wurde. Bis sie nur noch wusste wie man für andere funktioniert, aber nicht für sich selbst.
So hörte sie das Ticken der Uhr und wusste, dass Sie morgen weiter funktionieren würde. Sie wusste, dass ihr Panzer zu ihrem Gefängnis geworden ist. Doch sie wusste nicht wie man aus ihm ausbrechen konnte.







